vollautomatische abseil- rettungsgeräte

Hier werden Materialfragen erörtert

vollautomatische abseil- rettungsgeräte

Beitragvon janosch » Sa Jun 12, 2010 9:15 am

kennt jemand von euch das abseil- und rettungsgerät "asg 300 t hub" von edelrid?
es handelt sich hierbei wohl um ein äquivalent zu dem abseil- rettungsgerät fg9 von bornack.

trotz eindeutiger empfehlungen der erca-arbeitsgruppe rettung (dezember 2009) scheinen sich diese vollautomatischen abseilgeräte in immer mehr hochseilgärten als rettungsgerät durchzusetzen.

ich würde mich an dieser stelle über eine diskussion über das für und wider eines solches gerätes freuen - vielleicht hat ja der ein oder andere schon erfahrungen sammeln dürfen?
gruß vom meer, janosch
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Beitragvon BigBoldMan » Sa Jun 12, 2010 6:42 pm

Wie ich ja schon an anderer Stelle erwähnte, arbeiten wir mit dem asg 400. Ich habe es mir jetzt verkniffen, da nach Unterschieden zu suchen. Und ich bin immer noch zufrieden mit dem Gerät. Wer sich den alten Thread anlesen möchte, kann das ja tun: http://rcforum.netfreehost.com/viewtopi ... cforum#330
Baugleich dürfte auch das gerät AG 10 hub von Christian Dalloz Holding sein. Keine Ahnung, wer der tatsächliche Hersteller ist, dessen Geräte dann umgelabelt werden.
Bis dahin,
Jürgen
BigBoldMan
 

Beitragvon feinklettern » So Jun 13, 2010 5:05 pm

Moin,

ich halte diese Geräte für gefährlich. Es gibt keine Automaten und es gibt keine 100%! Ich habe lieber fitte Trainer mit all den tollen Werkzeugen: 4-Augen-Prinzip, Stopp-Regel, div. Knoten ...
Plastikkästen, die ich nicht aufschrauben darf oder gar kann. Die ich einschicken muss um sicher zu gehen, dass alles i.O. ist, sind mir zuwider. Im übrigen ist das der Grund, warum die Höhensicherungsgeräte jetzt bei uns nach und nach rausfliegen. Ich will sehen und kontrollieren und nicht vermuten und hoffen, dass die Firma alle Federn und Schrauben richtig eingehängt bzw. angezogen hat.

Wie stehts beim Jürgen?: "Wer nicht denken will, fliegt raus"
Und sog. Automaten vernichten das Denken, denn sie gaukeln einem vor, dass sich alles von allein regelt.

Sicher wird die Firma, die die Dinger baut und dann von anderen Firmen belabeln läßt, diese Geräte in die Norm drücken. Da gehts dann wieder eher um Reviere, Umsatz und Erhöhung von Marktzugangsbarrieren - nicht um Sicherheit.

Liebe Grüße

Jörn
feinklettern
 

Jörn, Du sprichst mir aus der Seele

Beitragvon Thorsten » Do Jun 17, 2010 4:29 pm

Hallo Jörn,

mein Standpunkt ist da sehr ähnlich, allerdings gibt es mittlerweile viele "Betreiber", die gerne alles Automatisieren um so Fehlerquellen auszuschließen.

Ich bin ein absoluter Fan von SOP´s, aber Kontrolle der Vorgänge und die Nutzng des Hirn´s sollten weiterhin das Wichtigste sein.


Viele Grüße

Thorsten
Thorsten
 

Beitragvon janosch » Mo Jun 21, 2010 12:02 pm

danke für eure antworten.

@ jürgen: ich hätte mir allerdings mehr offenheit gewünscht - wie ist das gerät in der anwendung? wo siehst du als anwender vor- und nachteile?
ich denke, es kann (wie in der grundsätzlichen analyse von sicherungsgeräten) nicht um eine absolute position gehen - es geht ja darum, fehlerquellen in der anwendung auszuschließen.
wie sieht eine reibungslose aktiv-rettung mit abseilautomaten aus?
und sind diese automaten auch ökonomisch in einen laufenden betrieb zu integrieren (stichwort revisionsprüfung, tägliche checks und nutzungsdokumentationen)?
gruß vom meer, janosch
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Beitragvon marco2008 » Di Jun 22, 2010 12:44 pm

janosch hat geschrieben:danke für eure antworten.

@ jürgen: ich hätte mir allerdings mehr offenheit gewünscht - wie ist das gerät in der anwendung? wo siehst du als anwender vor- und nachteile?
ich denke, es kann (wie in der grundsätzlichen analyse von sicherungsgeräten) nicht um eine absolute position gehen - es geht ja darum, fehlerquellen in der anwendung auszuschließen.
wie sieht eine reibungslose aktiv-rettung mit abseilautomaten aus?
und sind diese automaten auch ökonomisch in einen laufenden betrieb zu integrieren (stichwort revisionsprüfung, tägliche checks und nutzungsdokumentationen)?


Hallo Janosch,
ASG 300 T Hub ist ein gutes Gerät. Der Unterschied zum ASG 400 und zum FG 9
ist , das dieses neue keine Kurbel mehr besitzt, ein wenig kompakter geworden ist und man eben nur noch am Rad dreht um jemanden zu entlasten und somit die Verletzungsgefahr minimiert ist.
Wir selber benutzen ein anderes System mit petzl ID und wipptechnik aber das ist ein andres Thema. Ich habe dieses Gerät im Einsatz erlebt und bin von der Handhabung und dem Einsatzgebiet auch ein wenig zwiegespalten.
Vorteil ist sicherlich die geringe Fehlerquote doch auch hier können fehler gemacht werden zb. in die falsche Richtung drehen und damit erstmal Schlappseil, zweiter Fehler die ich beobachtet habe ASG wird an den Teilnehmer gehängt und nicht ans Stahlseil oder an einen anderen Fixpunkt und dann funktioniert es nicht mit dem entlasten. Wenn alles richtig gemacht wird dann geht alles relativ flott. Ich rede hier aber vom passiv ablassen z.B. vom Podest. Aktiv Rettung das heißt für mich entlasten in der Aufgabe und dann zu zweit abfahren ist meines Wissens nicht möglich. Möglich ist nur den Teilnehmer zu entlasten und diesen dann alleine runter zu lassen. Hier ist sicherlich von Vorteil, dass selbst wenn ich das Bremseil los lasse dieser nur mit gebremster Geschwindigkeit am Boden ankommt. Nachteil für mich ist eben, dass man nicht zu zweit abfahren kann um z. B. den ohnmächtigen auch zu stabilisieren (Kopfhalten oder am Gurt fixieren. Es braucht dann aufjedenfall in solchen Situationen einen Zweiten Trainer, der den verletzten am Boden in Empfang nimmt und diesen dann auch gleich richtig positioniert.
Zum Thema Kontrolle und Revision kann ich leider nicht wirklich was berichten aber es wird so sein das man dieses Gerät nach 40-60 "Rettungen" oder auch Rettungsübungen einschicken muss, denn es geht nicht nur um Abseilmeter sondern auch um Hub meter und da ist glaube ich nach 5-8 m Schluss bzw. muss es dan zur Revision. Ich denke auch wenn man sich für so ein System entscheidet sollte man genügend ASG Geräte haben und nicht noch ein 2. System z.B. HMS oder ähnliches. Das ist dann aber natürlich nicht ganz günstig exkl. der laufenden Revisonskosten ...
Es ist ein gutes Gerät ich favorisiere aber das System, wie es auch von der Arbeitsgrupppe vorgestellt wurde. ich denke wir sind damit grundsätzlich flexibler weilö man zb. auch gut damit am Seil aufsteigen kann und es immer das selbe Sytem ist... Hoffe meine Erfahrung können dich weiterbringen...

Beste Grüße
Marco
marco2008
 

Beitragvon feinklettern » Fr Jun 25, 2010 9:39 am

... dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen.

Danke Marco.

Liebe Grüße

Jörn
feinklettern
 

Mehr Offenheit

Beitragvon BigBoldMan » So Aug 08, 2010 11:10 am

Tach zusammen.
Dann versuche ich mal mehr Offenheit zu bringen, wobei ich nie mit irgendwas bewußt hinter dem Berg gehalten habe. Ich habe ja schon geschrieben, daß ich in meiner damaligen Funktion als Betriebsleiter mit dem Gerät zufrieden war. Und das aus mehreren Gründen:
- Die bereits angesprochenen Fehlerquellen reduzieren sich, wenn "Halbautomaten" eingesetzt werden. Das Gerät ist sehr einfach in der Schulung und in der Handhabung.
- Schulungen für das Gerät sind relativ einfach, denn eine neue Mitarbeiterin kann die Nutzung und den Einsatz grundsätzlich innerhalb weniger Stunden begreifen. Wie schnell ich dann jemanden eigenverantwortlich in eine Rettung lasse, ist dann mein Ding.
- Die an anderen Stellen benannten körperlichen Voraussetzungen für eine Trainerin sind bei diesem Gerät minimal. Jede Trainerin kann einen 110-kg-Koloß wie mich locker aus der Anlage holen.

Sicherlich gibt es auch Nachteile.
- Die Kurbel ist der größte "Spaßfaktor", da die Unwucht enorm ist und das rattern und wackeln nicht nur die verunfallte Person stark erschrecken läßt. Das allerdings nur, wenn die Kurbel nicht eingeklappt wird beim ablassen.
- Eine Rettung in der dieses Gerät nicht einsetzbar ist, ist dann natürlich enormer Aufwand. Weder das passende Material ist oben (wenn nicht gerade eine Trainerin oben ist, deren Gurt komplett ausgerüstet ist), noch die Prozedur ist von allen Mitarbeiterinnen trainiert.
- Die Kontrolle des Geräts ist nicht schwierig, sondern unmöglich. Die angesprochenen Seilstrecken (Lift und abseilen) sind ja in der Bedienungsanleitung beschrieben, so daß dann nur das einsenden an den Hersteller bleibt.

Korrektur:
- Das Abseilen mit der verunfallten Person ist sehr wohl möglich. Allerdings nicht mit dem originalen Verbindungsmittel. Da muß dann - ähnlich wie beim Industrieklettern - eine Rettungsexe her.
- Und auch das einhängen des ASG in den Gurt ist eine zulässige und beschriebene Option. Denn nur so kann ich zu einer sehr tief hängenden Person abfahren und mich dann auch hinterher wieder hochkurbeln (super anstrengend bei dem Übersetzungsverhältnis). Und bei der Rettung aus Tiefen (Schacht, o.ä.) ist das nicht nur möglich, sondern üblich.

Wenn ihr noch mehr Fragen habt, dann immer her damit. Je konkreter die Frage, desto konkreter die Antwort. Gerne auch per PM oder Email.
Bis dahin,
Jürgen
BigBoldMan
 

Gute Erfahrung ASG 300 Hub (nach Bauänderung)

Beitragvon Marco Weber » Mi Nov 03, 2010 6:43 pm

Nach Bauänderung des ASG 300 Hub sind unsere Erfahrungen sehr gut. Probleme hatte anfangs der Umlenkhaken gemacht. Dieser konnte bei Hubvorgängen und falscher Drehrichtung des Hubrades gelockert und in seiner Position verändert werden, so dass die Umlenkung nicht mehr 100% gewährleistet wurde. Das Problem wurde durch eine Umlenkung mittels Stahlkarabiner vorerst gelöst. Inzwischen wurde das Gerät nach Einschickung so geändert, das keine Positionänderung der Umlenkung mehr zu befürchten ist - TIP: alle noch nicht geänderten Geräte einschicken und Umbauen lassen - 2 Umlenkhaken für den Pendelbetrieb.

Mit der Revision haben wir keine Probleme. Dazu wurden mehrere Mitarbeiter qualifiziert und diese wird nach einem gut beschriebenen Prüfprotokoll inhouse durchgeführt - dauert max. 20 Min. Die Intervalle sind wie schon beschr. Also keine Einsendung notwendig außer es wird etwas anderes im Prüfprotokoll dargestellt. Dazu haben wir auch 2 Rettungssysteme, ein redundantes bzw. bei hohem Gästeaufkommen. Aufgrund der Spezifikationen der Anlage war aber noch kein Ablassvorgang eines Teilnehmers notwendig.
Ablassvorgänge (Hubmeter und Ablassmeter) werden täglich protokolliert. und bei kombinierten Einsatz wird immer eine Revision am Ende des Betriebstages durchgeführt.

Im Rettungsablauf ist immer ein 2. Bodenmann vorgesehen, so dass sich immer ein Mitarbeiter am Boden um den ggf. Verletzten kümmern kann. Für besondere Situationen ist ein alternatives Rettungsverfahren mit Flaschenzugsystem und ID als Backup vorhanden - darf aber nur von speziell geschulten Leuten ausgeführt werden.
Marco Weber
 

Re: vollautomatische abseil- rettungsgeräte

Beitragvon seilpark » Di Aug 18, 2015 5:20 am

Hallo zusammen

Erfahrung mit dem ASG 300 Hub von Edelrid

Wir haben zwei dieser Geräte bei uns im Einsatz.
Bei beiden kann das Problem vorkommen, dass beim anheben einer Person das Seil durchrutscht.
Beide Geräte waren schon bei Edelrid zur Überprüfung.
Prüfungsergebnis: Keine Erklärung und die Baukomponenten zeigten keinen Verschleiss auf????
Trotz neuem Seil ist das Problem nicht gelöst.

Schau mich nach Alternativen um.

lg Gianni
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Re: vollautomatische abseil- rettungsgeräte

Beitragvon Karsten » Do Jul 07, 2016 12:55 pm

Hast du denn eine Alternative gefunden, Gianni?
Karsten
 
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