Baumbeurteilung und Önorm "Baumschonende Installationen

EN 15567, Erca-Standards und andere Sicherheitsstandards und -normen

Baumbeurteilung und Önorm "Baumschonende Installationen

Beitragvon OTIS_jan_wellmann » Mo Sep 01, 2008 3:16 pm

Hallo & "Moin, Moin"
aus dem Norden Deutschlands;

wir sind in gedanklicher Planung von hohen Seilementen im Naturwald;
mir tun sich dabei ein zwei Fragen auf, deren Antwort ich hoffentlich aus diesem Forum erhalte...

Inwiefern werden beim Bau eines Ropes-Course nach Anhang B der DIN EN15567-1-2008-03 Baumbeurteilungs-Proben fällig ?!


4.3.3.3.1.2.
"Die Tragfähigkeit des Baumes muss beurteilt werden. Die Beurteilung kann eine Berechnung beinhalten,...."

Reicht im Falle d. nicht auffällig kranken Baumes eine Beurteilung vom Statiker ?! Wie sind die Erfahrungswerte zu "kann" ?!
Welche "fachlichen Baumprüfstellen" sind ansonsten dazu sinnvollerweise anzusprechen ?!


Vielen Dank schonmal im voraus,....
Grüße aus (dem verregnetem grauen, aber immer noch schönen) nördlichsten Norddeutschland
OTIS_jan_wellmann
 

Beitragvon Walter » Mi Sep 03, 2008 12:08 am

Meine persönliche Meinung (auch wenn ich mich bei den Arboristen vielleicht unbeliebt mache):
Mir ist (weltweit) kein Versagen eines Baumes bei Hochseilgärten bekannt.
Jeder Interessierte kann diese Einschätzung vornehmen, da jeder Baum ab einem gewissen Durchmesser bei jedem stärkeren Wind "getestet" wird, also deutlich stärker als jede Belastung durch ein Stahlseil mit Personenbelastung. Die Last, die bei normalen Hochseilgärten wirkt sind - verglichen mit Windlast - vergleichsweise gering.
Und tote Äste, die weggeschnitten gehören, sind auch nicht so schwer von Belaubten zu unterscheiden.
Baumsachverständige werden dort wirklich notwendig, wo ungewöhnliche Lasten von mehreren Tonnen auf Bäume wirken (z.B Baumlhaus bei Mutters, wo bis zu 150 kN Belastung abgeleitet werden müssen oder Zip Line Parcours in San Vigilio).
Ungeachtet dessen verlangt die EN 15567 die Begutachtung durch einen Baumsachverständigen mit Berufshaftpflicheversicherung.
("sachkundige Person, die Beurteilungen im Hinblick auf Bäume vornehmen kann. Diese Personen müssen durch eine entsprechende Berufshaftpflichtversicherung abgesichert sein").
Soweit ich weiß, erfüllt ein Statiker diese Voraussetzungen nicht, außer er hat einen Baumkundekurs besucht.
Im Anhang A der Norm ist detailliert festgehalten, was ein solcher Bericht enthalten muss.
Interessanterweise ist es nach meiner Interpretation der EN nicht notwendig, einen Statiker beizuziehen.
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Beitragvon OTIS_jan_wellmann » Mi Sep 03, 2008 10:48 pm

vielen Dank schonmal für die (schnelle) Antwort & Einschätzung !

(Die Ergänzung mit dem Hinweis auf eine Haftpflichtversicherung habe ich bisher im DIN-Text noch nicht gefunden..?!)

Gruß,

Jan Wellmann
OTIS_jan_wellmann
 

Beitragvon Walter » Mi Sep 10, 2008 9:23 pm

Es wurde auf Initiative der Arboristen eine Arbeitsgruppe beim Österreichischen Normungsinstitut installiert mit dem Titel "baumschonende Installationen" eingerichtet.
Das Ziel ist mir nicht klar.
Ich bitte um Rückmeldungen, ob es hier etwas zu normieren gibt.
Argumentiert wird mit der Sicherheit. Wie gesagt, ich kenne hier kein Sicherheitsproblem.
Argumentiert wird auch mit der Schädigung der Bäume. Auch hier: Kennt jemand einen Fall, wo ein Baum durch eine Installation (gebohrt, gewickelt, umschlungen,...) nachhaltig geschädigt worden wäre?
Walter
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Beitragvon treetec » Mo Sep 22, 2008 6:37 pm

Walter hat geschrieben:Meine persönliche Meinung (auch wenn ich mich bei den Arboristen vielleicht unbeliebt mache):
Mir ist (weltweit) kein Versagen eines Baumes bei Hochseilgärten bekannt.
Jeder Interessierte kann diese Einschätzung vornehmen, da jeder Baum ab einem gewissen Durchmesser bei jedem stärkeren Wind "getestet" wird, also deutlich stärker als jede Belastung durch ein Stahlseil mit Personenbelastung. Die Last, die bei normalen Hochseilgärten wirkt sind - verglichen mit Windlast - vergleichsweise gering.
Und tote Äste, die weggeschnitten gehören, sind auch nicht so schwer von Belaubten zu unterscheiden.
Baumsachverständige werden dort wirklich notwendig, wo ungewöhnliche Lasten von mehreren Tonnen auf Bäume wirken (z.B Baumlhaus bei Mutters, wo bis zu 150 kN Belastung abgeleitet werden müssen oder Zip Line Parcours in San Vigilio).
Ungeachtet dessen verlangt die EN 15567 die Begutachtung durch einen Baumsachverständigen mit Berufshaftpflicheversicherung.
("sachkundige Person, die Beurteilungen im Hinblick auf Bäume vornehmen kann. Diese Personen müssen durch eine entsprechende Berufshaftpflichtversicherung abgesichert sein").
Soweit ich weiß, erfüllt ein Statiker diese Voraussetzungen nicht, außer er hat einen Baumkundekurs besucht.
Im Anhang A der Norm ist detailliert festgehalten, was ein solcher Bericht enthalten muss.
Interessanterweise ist es nach meiner Interpretation der EN nicht notwendig, einen Statiker beizuziehen.


Hallo Walter,

Ich bin Arborist, ich kann nur sagen ich finde es toll wenn sich jemand Gedanken zu diesem Thema macht.

Mann sollte vieles bedenken wenn man Bäume mit Stahlseilen zusammenspannt.
Bäume schwingen im Wind nicht immer in die gleiche Richtung und Stahlseile sind starr, also treten mit hoher warscheinlichkeit große Kräfte durch Schläge (Karateeffekt) auf.
Klar ist, ein Baum ist Wind und Wetter gewöhnt.
Eine Person an einem Stahlseil ist für einen Baum sicherlich kein Problem.

Man sollte sich aber bewußt machen das ein Baum ein lebender Organismus ist.
Wenn die Anschlagpunkte der Stahlseile zu hohen Druck auf den Baum ausüben kommt es dazu, das der Saftstrom im Bast unterbrochen wird, dadurch kommen weniger Nährstoffe in die Wurzeln, was wiederum zu einem absterben dieser führen KANN, die Betonung liegt auf kann.

Voriges Jahr kam mussten wir, in der Nähe von Gmunden, Anschlagmittel für einen Kunden austauschen. Die Aussichtsplatform wurde ebenfalls in Fichten und Buchen gehängt.

Ein paar Tage zuvor hatte es gestürmt.
Auf dem Spielplatz war seit längerem eine Seilrutsche eingebaut, und diese war durch fehlende Wartung eingewachsen, und somit war auch Fäule an dieser Stelle.
Ich kann das deshalb so genau sagen weil der Baum genau an dieser Stelle abgerissen wurde. War eine Fichte. Leider habe ich keine Fotos davon gemacht, kann aber nachforschen und welche besorgen, falls nötig.

Ich vermute das man die Bäume jährlich kontrollieren lassen muß, wie auch bei jeder anderen Anlage, der Unterschied ist halt das siche der Kontrolleur auch mit lebendem Holz auskennen sollte.
Mein Rat an dieser Stelle, lassen Sie sich schon vorher die Bäume durch einen Arboristen anschauen, der kann Ihnen dann auch mit Rat zur Seite stehen.

P.S: Ein Statiker mit Baumsachkundekurs, befasst sich nicht viel mit Bäumen wenn ich hier meine Meinung zum Ausdruck bringen darf.
Um Bäume beurteilen zu können bedarf es sehr viel Erfahrung.
In Deutschland kann man sich z.B. an einen Fachagrarwirt der Baumpflege o. Baumsanierung wenden, oder einen European Tree Tecnician, o. Board Certified Master Arborist. Diese Standarts kann man erst nach einer gewissen Berufserfahrung erlangen und beinhalten die Zertifikate für den Baumkontrolleur.


Hoffe konnte helfen
Gerhard
treetec
 

Beitragvon Walter » Mo Sep 22, 2008 7:22 pm

Hallo Gerhard,
vielen Dank für Deine ausführliche Antwort.
Ich hätte ein paar Fragen zum Fall Gmunden: Was war das Unsachgemäße an der Verankerung? Glaubst du, wäre es auch zum Baumversagen gekommen, wenn die Verankerung sachgemäß gewesen wäre (soweit sich's feststellen läßt, vermutlich nein).
Stimmst du mir zu, dass es kein Sicherheitsproblem war, da der Hochseilgarten bei Sturm ohnehin gesperrt sein muß? Somit ist es lediglich ein finanzieller Schaden?
Es muß laut EN 15567 vor Inbetriebnahme und bei der jährlichen Abnahme ein Baumsachverständiger ein Gutachten erstellen. Die einzige Definition ist die geforderte Haftpflichtversicherung, womit klar ist, dass die Versicherungsbedingungen die Qualifikationskriterien festlegen. Die kenne ich aber nicht.
Ich habe übrigens vergessen, in meinem Post ein wesentliches Wort einzufügen: Kennt jemand ein Baumversagen bei sachgemäßter Verankerung?
Besten Dank!
walter
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Beitragvon Mathias » Mo Sep 22, 2008 8:13 pm

Servus Walter!

Mir ist schon mehrfach in diesem Forum aufgefallen, dass die Argumentation manchmal in die Richtig geht "mir ist kein Vorfall bekannt,.. und nachdem bis dato eh alles gut gelaufen ist (sofern überhaupt veröffentlicht :), können wir auch so weitermachen ..."
Finde ich sehr zweifelhaft, diese Art der Argumentation, zumal auch für stationäre Seilgärten statische Berechnungen vorgelegt werden müssen (hier "kennt" sich die Baubehörde eher aus (Stichwort: Fundamente, Seilabspannungen) und fordert daher zurecht hieb- und stichfeste Nachweise), obwohl bis dato kein Seilgarten zusammengebrochen ist.

Hast du eigentlich noch nie einen plötzlich wie aus heiteren Himmel auftretenden Sturm erlebt?? Wenn Orkanböen rascher als vermutet (wer checkt schon stündlich das Wetterradar bzw. hört dir aktuellen laufenden Wettermeldungen) einbrechen, wie evakuiert man dann einen Waldseilgarten wenn gerade mal ein paar größere Gruppen unterwegs sind, sag wir mal so um die 50 Personen, und ein paar davon in Panik geraten?
Mir ist nicht bekannt, das es da ein Personenlimit je eingesetzten Trainer gibt (in Waldseilgärten); D.h. die Trainer vor Ort können da schnell überfordert sein.
Der lange Rede kurzer Sinn: So abwägig finde ich es nicht, das auch noch bei Sturm Personen sich im Parcour befinden und eine absolute Sicherheit der Bäume auch noch nach 5 -10 Jahren gewährleistet sein muss!

Ich möchte dann nicht dabei sein, nur weil der Betreiber der Meinung war, dieser Fall ist ja eh unwahrscheinlich und sich dem Kostenfaktor (und um das liebe Geld geht's letztendlich!) der jährlichen Überprüfung durch einen Baumsachverständigen (nicht Förster) ersparen wollte.

Hoffe damit ein bissl im Bienenkorb gestochert zu haben ;)
Ist ein weitläufiges Thema.

PS:
Super das du dich so intensiv an diesen Forum-Diskussionen beteiligst, hoffe das es noch mehr werden! :)
Mathias
 

Beitragvon Walter » Mo Sep 22, 2008 11:01 pm

Hallo Gerhard, vielen Dank für deinen kritischen Beitrag. Es gibt viel zu wenige Kritiker hier. Es besuchen zwar sehr viele Leute dieses Forum aber nur ein Bruchteil beteiligt sich an den Diskussionen.
Materialversagen ist schon vorgekommen: Stahlseilrisse, Sicherungsseilrisse, gebrochene Spannschlösser, gerissene Bandschlingen usw. Das würde ich als "zusammengebrochener Ropes Course" bezeichnen.
Das kann aber nicht (nur) durch Statiker behoben werden. Diese Unfälle waren auch auf HSG, die von Statikern berechnet worden waren und teilweise vom TÜV abgenommen.
So wie die Statik ist Sicherheitsmanagement auf Erfahrungswissen aufgebaut. Wenn die statistische Größe stimmt, kann man m.E. sehr wohl auf die Erfahrung zurückgreifen und auf Anlassfälle warten.
Das ist eine grundlegende Zugangsweise, die ich vertrete: Zu Beginn einer neuen "Sparte" muss man überlegen: "Was könnte ..." , aber wenn genügend "Stichproben" da sind, kann man analysieren: "Was ist...".
Der Fokus auf "Was könnte.." führt dazu, dass das "Was ist ..." vernachlässigt wird. Die wenigsten Betreiber machen eine tägliche Zwischenfallanalyse.
Das Argument vom Evakuieren eines großen Waldseilgartens habe ich nicht bedacht. Der Sturm kommt zwar nicht aus heiterem Himmel, aber es ist eine Tatsache, dass alle Betreiber über die Sicherheitsgrenze gehen. Ist auch anders nicht wirklich realistisch. Im Klartext: Eigentlich müßte man viel viel öfter evakuieren, ohne dass danach ein Gewitter kommt, weil die meisten ja vorbeiziehen. Es gibt ja eine klare Regel: Wenn zwischen Blitz und Donner 30 Sekunden sind, muss man die sichere Unterkunft aufsuchen. Aber es ist wirtschaftlich nicht vertretbar und nicht zu argumentieren.
Es gibt verantwortungsbewußte Betreiber, die auf Evakuierungen wirklich vorbereitet sind - aber nur wenige. Der Rest lebt von der geringen Wahrscheinlichkeit eines Unfalles.
Wenn ein Arborist die absolute Sicherheit der Bäume auch noch nach 5 -10 Jahren gewährleisten kann, dann wäre es super, mir haben aber viele Arboristen gesagt, dass das nicht geht.
Und:
Bei einem Sturm fallen die Bäume um, mit und ohne Arboristen.
Da wären Evakuierungstechnologien und -übungen (ähnlich wie im Flugzeug) wichtig.
Meine Frage abschließend wäre: Brauchen wir wirklich eine Norm für Seilverbindungen? ich glaube nicht. Wenn ja, wozu?
Walter Siebert
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Baumsicherheit

Beitragvon roither » Di Sep 23, 2008 6:48 am

Hallo,

verfolge diese Diskussion mit hohem Interesse.

Ich kann mich an eine Situation erinnern die sich im April diese Jahres abgespielt hat. Wir haben zu zweit eine Fichte abgetragen. Wir haben schon bemerkt, das sich das Wetter verschlechtert. Aber wer klettert schon vom Baum wenn es nicht regnet und noch nicht kracht ?
Wir auf jeden Fall nicht und denke auch keiner von einem Seilgarten. ( Die Lage eines Seilgartens spielt da auch eine Rolle - hinter einem Berg , freie Flächen,...)
Fakt ist jedoch, das es auf einmal ein Kracher macht und der erste Blitz ca 500 Meter weiter weg einschlug und damit auch gleich ein Graupelschauer mit heftigen WInd gestartet ist.
Da wir gerade einen Teil vom Baum abgeseilt hatten war es erst nach ca. 3 Minuten möglich den Baum zu verlassen bei Windböhen über 60 Kmh und heftiges schwanken des Baumes.
Nass bis auf die Knochen und beindruckt wie schnell ein Wetterwechsel bei uns sein kann haben wir uns dann umgezogen.

Eine Seilgarten wo 30 Personen mitten im Abenteuer sind zu evakuieren ist schon eine spannende Leistung. Ich beschäftige mich sehr viel mit Katastrophen Hilfsdienst und stelle immer wieder fest es hängt an drei Faktoren -

Wieviel Personal habe ich ?
Welche Zeit habe ich dafür ?
Welchen Weg muß ich dafür zurücklegen ?

Kraft - Zeit - Weg und daraus ergibt sich die Dauer des Einsatzes.
Ich empfehle das einmal mit 40 Personen durchzurechen und man wird ins staunen kommen.
Soviel zu Gewitter.

Über die Baumsicherheit möchte ich auch noch ein paar Worte hinzufügen.

Ein Laie kann sicher nicht einen Baum beurteilen ob dieser noch intakt ist.
Da die meisten nicht einmal wissen um welchen Baum es sich dabei handelt.
Klar, Tote Äste fallen zumindest schon den meisten auf - aber eine Pilzbefall ?

Den kann nur ein Fachmann erkennen der sich schon längere Zeit mit dem Thema beschäftigt. Es gibt den sogenannten Brandkrustenpilz um nur einen von den vielen zu nennen. Ein völlig unscheinbarer Pilz - klein und schwarz.

Als Laie würde man sagen es handelt sich um alte RIndenteile. Dieser Pilz baut jedoch die Starkwurzeln ab. Der Baum bleibt dabei grün und sieht vital aus. Dieser Baum kann einen Sturm ohne weiteres überstehen und fällt beim nächsten harmlosen WInd einfach um.
Wer hat dann die Haftung ?
Laut Gesetzestext jeder Baumbesitzer für seinen Baum.

Da sollte sich jeder einmal dazu Gedanken nachen.
roither
 

Beitragvon treetec » Do Sep 25, 2008 12:25 pm

Hallo Walter,

Zu dem Fall in Gmunden;
Ja das Stahlseil hat durch die FÄULE den Bruch verursacht.
JA wäre durch eine Baumschonende konstruktion zu vermeiden gewesen.
Auserdem ist nicht nur die Statik wichtig, Ihr vergesst dabei das die Dynamik auch eine rolle spielt. Stahlseile sind starr, Bäume schwingen.
Würde mich eh interessiern welche Randfaserdehnungen im Baum auftreten wenn der Baum durch den Wind in Schwingung versetzt wird, und durch das Stahlseil plötzlich gestoppt wird.
=Summierung der Kräfte;
Der Druck auf das Holz ist dabei sicher kein Problem, aber weiter oben in der Krone ist auch noch Masse die sich bewegt. Dadurch kommt es im inneren des Baumes zu Faserverschiebungen die wiederum den Bruch verursachen können.

Normung, aber sicher, oder nimmst du auch einfach irgendeinen Gurt ohne CE u. EN? für deine Besucher.

Seht das System als ganzes!! Denn ein System ist nur so sicher wie die schwächste Stelle. Das beziehe ich auf die Risikobeurteilung.

Weiters möchte ich auf Grünastabbrüche hinweisen, da wir heuer selbst einen erlebt haben. Wenn der Baum Trockenstreß hat, wird die Vorspannung im Holz minimiert. Bei manchen Ästen kann es dann zum Bruchversagen kommen.
Wir waren in Kitzbühel und waren mit der Arbeit fertig. Anschließend machten wir noch ein Paar Fotos für die Dokumentation.

In einem Nachbarbaum (Buche Höhe ca. 35m Kronendurchmesser ca. 35m, absolut Vital, keine Pilze) brach plötzlich ein Ast (bei Windstille) aus der Krone.
Astdruchmesser ca. 30-35cm, Länge ca. 12m
Diese Risiken sind vom besten Statiker und Gutachter nicht vorherzusagen! Ist zwar nur selten der Fall aber es kommt vor.
Ich will damit nicht sagen dass man keine HSG's in den Wald bauen soll, ich will nur verdeutlichen dass bei Bäumen mehr als nur Statik beachtet werden muß!


Zum Thema Statik, frag doch mal einen Statiker wie oft er mir lebenden Holz gearbeitet hat und ober dann auch die verschiedenen Baumarten, Gattungen und Sorten berücksichtigt hat?
Meine Erfahrung ist, das sich Statiker nur mit trockenem Holz auskennen.
Ich möchte dazu ergänzen das ich momentan in die Abendschule gehe im Bereich Elektrotechnik, da wird das Thema Statik im Fachberich Maschinenbau ebenfalls gelehrt. Fakt ist das Statiker für Konstruktionsolz sehr gut ausgebildet sind. Für Grünhölzer(lebendes Holz) gibt es im Moment nicht einmal einen vollständigen Festigkeitskatalog, geschweige den Elastizitätsmodule oder sonstige Werte. Wie gesagt das ist mein Wissensatand, falls der TÜV üer solche Werte verfügt wäre ich ebenfalls daran interessiert.

P.S. Rechtschreibfehler müsst Ihr hinnehmen, ich habe keine Zeit zur Korrektur.
treetec
 

Beitragvon treetec » Do Sep 25, 2008 1:09 pm

[quote=
1. Bei einem Sturm fallen die Bäume um, mit und ohne Arboristen.
Da wären Evakuierungstechnologien und -übungen (ähnlich wie im Flugzeug) wichtig.
2.Meine Frage abschließend wäre: Brauchen wir wirklich eine Norm für Seilverbindungen? ich glaube nicht. Wenn ja, wozu?[/quote]

1. Stimmt schon, aber der Arborist kann euch beim Bau von solchen Anlagen sagen welche Bäume daß man meiden sollte und welche geeignet sind, und das nicht nur bis zum Anschlagpunkt.
Und in der Kontrolle wird er sehrwohl eine Aussage darüber treffen wie der Zustand der Bäume ist und welche Maßnahmen zu empfehlen sind.
Naturkatastrophen sind ein eigenes Thema. aber wie du ja gesagt hast, da is eh niemand im HSG.

2.Ja, wieso brauchst den eine Norm für eine Bandschlinge, kannst doch auch einen Spagat nehmen, oder doch nicht? Scherz beiseite.
Ihr seid in einem Gewerbe tätig in dem Ihr Normen braucht, sonst kann ja jeder machen was er will, oder gibst du mir da nicht recht?
Die NORM muß ja nicht die Baumform solche Anschlagpunkte bestimmen, sondern das Ziel sollte die schonung des Baumes sein.
Ich versteh auch die Diskusion darüber nicht wirklich. Warum sollte eine NORM für Anschlagmittel in Bäumen nicht von interesse für Euch sein. Was spricht dagegen? Mußt mir mal erklären?
treetec
 

Beitragvon treetec » Do Sep 25, 2008 1:24 pm

Walter hat geschrieben:Ich habe übrigens vergessen, in meinem Post ein wesentliches Wort einzufügen: Kennt jemand ein Baumversagen bei sachgemäßter Verankerung?
Besten Dank!
walter


Ja, bei Naturkatasrophen, bzw, Orkanartigen Winden.

Dies bezieht sich aber nicht auf Hochseilgärten, da ich in der Umgebung nur eine Handvoll kenne.

In der Baumpflege werden ebenfalls Seilsysteme verwendet um Bruchversagen in der Krone zu reduzieren. Dies sind aber speziell dafür entwickelte Systeme. Diese Systeme haben die Stahlseilsysteme welche zuvor verwendet wurden fast zur Gänze abgelöst. Müsste jetzt nachlesen, aber vielleicht weiß das der Herr Roither ob Stahlseile in einigen Spezialanwendungen noch zugelassen sind.
Übrigens, auch dafür gibt es eine NORM, und das ist auch gut so.
treetec
 

Beitragvon treetec » Do Sep 25, 2008 1:26 pm

Walter hat geschrieben:Meine persönliche Meinung (auch wenn ich mich bei den Arboristen vielleicht unbeliebt mache):
Mir ist (weltweit) kein Versagen eines Baumes bei Hochseilgärten bekannt.


Bei allem Respekt, die Welt ist groß.
treetec
 

Beitragvon treetec » Do Sep 25, 2008 1:33 pm

Zum Thema Norm;

Eine Norm beinhaltet den Begriff Gebrauchstauglichkeit

Bei Produkten bezeichnet Gebrauchstauglichkeit die Eignung eines Produktes bei der Nutzung durch bestimmte Benutzer in einem bestimmten Benutzungskontext, die vorgegebenen Ziele effektiv, effizient und zufriedenstellend zu erreichen.

Vorgegebenes Ziel, Baumschonung-> daraus folgt höhere Nutzungsdauer.
Oder ist es im Sinne eines HSG nach 5 Jahren, wenn der Laden richtig gut läuft wieder alles umbauen zu müssen nur weil ein Baum nicht meh durc die Kontrolle geht.
treetec
 

Re: Baumsicherheit

Beitragvon Walter » Do Sep 25, 2008 1:47 pm

roither hat geschrieben:Fakt ist jedoch, das es auf einmal ein Kracher macht und der erste Blitz ca 500 Meter weiter weg einschlug und damit auch gleich ein Graupelschauer mit heftigen WInd gestartet ist.
...
Eine Seilgarten wo 30 Personen mitten im Abenteuer sind zu evakuieren ist schon eine spannende Leistung.
..
Ich empfehle das einmal mit 40 Personen durchzurechen und man wird ins staunen kommen.


Ih denke, das ist für einen Hochseilgartenbetreiber obligatorisch, das zu tun und auch zu üben und die besten Prozesse und Technologien einzussetzen. Ich frage mich aber, ob nicht irgendwo die Grenzen des Vermeidbaren erreicht sind und wo man sich überlegen muss, ob man das Risiko nicht in Kauf nehmen muss, wenn man Abenteuerparcours betreiben möchte. Nach einer "Zero Accident Philosophie" sind Abenteuerparcours nicht betreibbar.
Das gleiche gilt auch für Bäume
roither hat geschrieben:Dieser Baum kann einen Sturm ohne weiteres überstehen und fällt beim nächsten harmlosen WInd einfach um.
Wer hat dann die Haftung ?
Laut Gesetzestext jeder Baumbesitzer für seinen Baum.

Soweit mir bekannt ist, gibt es bei Bäumen Phänomene, die nicht vorhersehbar sind. Bezüglich Haftung wird bei uns der amerikanische Einfluss immer größer, nach dem immer jemand schuld sein muss. Bitte mich richtig verstehen: Das soll kein Plädoyer für fahrlässiges Handeln sein. Aber es gibt Bereicht mit nicht verhinderbarem Risiko.
Meine Frage zum Brandkrustenpilz: Wie viel Zeit vergeht zwischen Befall und nennenswerter Schwächung, sodass ein Wind, bei dem der Betrieb noch nicht abgebrochen werden muss, den Baum umwerfen kann?
Walter Siebert
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